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Von Hofmannsthal bis Bitcoin: Die Zukunft des Geldes in der Literatur

 

Dorothee Rebecca Schönsee sucht in der Literatur nach Zufteresere fön Finanzsystems. Gelesenes beeinflusst das menschliche Verhalten und dadurch zukünftige Entwicklungen&comma vom Wien der 1920er-Jahre bis zur Kryptowährung der Jetztzeit. inline;” class=”WPAuto_Base_Readability-styled”>
 

Rebecca Schönsee (Uni Wien) Pöhlmann, deutscher Amerikanist, Paterno&NewLine 



 
 


 
 
 <span class&equals=&equallowine;"a 08.07.2026 um 15:37
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”author__link”>Hildegard Suntinger


 


 
 




Die Lehman-Pleite brachte 2008 alles ins Wanken. Dorothee Rebecca von Schämitégon Hofmannsthal, der einmal schrieb, die Worte zerfielen ihm „wie modrige Pilze im Munde“. „Ebenso zerfielen in diesem Moment die ökonomischen Werte“, sagt die Literaturwissenschaftlerin, die an der Universität Wien forscht. Damals begann sie über Zerfallsmechanismen nachzudenken und erkannte, dass die Suche nach neuen Finanzsystemen auch zentral für die Literatur sein könnte.
»Literatur stellt Imaginationen her, die der Wirtschaftsraum so gar nicht erlaubt.«
Dorothee Rebecca Schönsee,
Literaturwissenschaftlerin, Uni Wien
Entschleunigung in Texten













Schönsee betrachtet Literatur als einen Labor- und Testraum, in dem Entwicklungen nachgezeichnet und vorweggenommen werden können. Literatur stelle Imaginationen her, die der Wirtschaftsraum so gar nicht erlaube, so die Forscherin. Und weiter: „Wenn wir in den Wirtschaftsräumen eine enorme Beschleunigung erleben, kann die Literatur eine Entschleunigung anbieten. Darüber hinaus kann sie Mechanismen, die sonst schwer analysierbar sind, auf die Bühne bringen und theatralisch spiegeln.“
Aktuell forscht sie im Projekt „Geld der Zukunft: Kryptowährungen in neuerer Literatur“, das vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert wird. Anhand von transatlantischen Fallbeispielen will sie herausfinden, inwiefern Literatur zu unserer Definition von Geld und unserer finanziellen Zukunft beitragen kann. Als Literaturwissenschaftlerin beschäftigt sie sich mit der Auslegung von Texten (Hermeneutik), bezieht aber auch soziologische Theorien ein, wie etwa jene des Franzosen Luc Boltanski, der sagt, dass Literatur die Institutionen wie Banken sowohl stärken als auch schwächen kann.
Antwort auf den Zerfall
Zentral in Schönsees Forschung sind die aktuellen Zustände der Finanzwelt – Blendungsphänomene, Entropie und Zerfall. Entropie, ein physikalisches Konzept der Unordnung, beschreibt, dass Energie sich nicht auflöst, sondern zerfällt und sich wieder spontan vermischen und verwandeln kann.
„Die Cyberpunks der 1990er-Jahre wollten diesem Zerfall mit Extropie entgegenwirken“, erklärt Schönsee. Extropie im Sinne des Glaubens an eine zunehmende Organisation von Systemen durch Wissenschaft und Technik. Wie Literatur solche Zerfallsprozesse nicht nur abbildet, sondern auch antizipiert, zeigt Schönsee am Beispiel von Thomas Pynchons Roman „The Crying of Lot 49“. Er handelt von einer Geheimgesellschaft, die ihr eigenes Briefsystem aufbaut und von einem neuen technolibertären Wirtschaftssystem träumt.
Das Buch erschien 1966. Pynchon wurde von Elfriede Jelinek zeitnah übersetzt und revidiert. Dadurch entstand schon sehr früh ein transatlantischer Dialog zu einer Literatur, in der Wirtschaft zentral ist und von Angst, Paranoia, fremden Mächten und Verschwörungstheorien geprägt ist.
Für Wirtschaft und Ethik
Neben Jelineks Begeisterung für Pynchon und umgekehrt, zeigt Schönsee auch das Interesse der amerikanischen Literatur für die österreichische Neo-Avantgarde auf. So sei Peter Handke explizit vom New Yorker Schriftsteller Don DeLillo zitiert worden. Weil der transatlantische Dialog zu Finanzsystemen aber noch weiter zurückreiche, setzt Schönsee schon in den 1920er-Jahren an. Mit dem Zerfall der k.u.k. Monarchie und Ökonomen wie Joseph Schumpeter, der den Begriff „Schöpferische Zerstörung“ prägte.
Die Studie soll über die Literaturwissenschaft hinaus auch Grundlage für andere Forschungsrichtungen sein, wie etwa Wirtschaft, Ethik oder Philosophie der Technik.
Lexikon
Kryptowährungen bilden ein anarchistisches und selbstregulierendes Finanzsystem, das dem Zerfall traditioneller Finanzsysteme entgegenwirken soll.
Cyberpunks waren eine Bewegung der 1980er-Jahre, die in dystopische Zukunftsvisionen Technologie, Macht und gesellschaftlicher Zerfall thematisierte.
Schöpferische Zerstörung wurde als Begriff vom Ökonomen Joseph Schumpeter (1883–1950) in Zusammenhang mit Konjunkturmodellen gepräft. Diese trete dann ein, wenn eine Innovation von einer anderen Innovation abgelöst wird.
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